Relocation London

Veröffentlichung in der Zeitschrift Contact der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer:

 
 
 
 
 
 
 

Aktuelle Untersuchung zur Entsendung von Mitarbeitern nach Frankreich

Mühsam ist der Weg zu Beginn und am Ende der Entsendung nach Frankreich

Drei von vier deutschen Großunternehmen entsenden Mitarbeiter für ein oder mehrere Jahre nach Frankreich. Die Entsendung ins Hexagon kostet die Konzerne das 1,5-fache bis 3-fache Basisgehalt des Mitarbeiters in Deutschland. Trotz umfangreicher Maßnahmenpakete zur Vorbereitung und Betreuung vor Ort läuft die Entsendung nicht immer reibungslos ab, wie eine aktuelle Studie von Management Mobility Consulting, Senlis illustriert.

Einbezogen wurden in die Untersuchung Interviews mit 44 deutschen Großunternehmen unterschiedlicher Branchen. Mehr als die Hälfte der befragten Firmen gehören zu den TOP 100 Konzernen mit Sitz in Deutschland. Die Teilnehmer verfügen über mindestens eine Vertretung in Frankreich und sind nahezu alle Mitglieder der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer.

75% der befragten Unternehmen beschäftigen derzeit deutsche Entsandtkräfte in Frankreich. Häufig sind es nur eine Hand voll Führungskräfte oder Spezialisten, die von der Muttergesellschaft jenseits des Rheins geschickt werden.

"Involviert sind wir als lokale Filiale leider nicht in die Auswahl der Expatriates, mit denen wir jahrelang vor Ort zusammenarbeiten müssen," beklagt sich der Geschäftsführer der Pariser Niederlassung eines deutsch-französischen Dienstleisters. "Eine Logik in der Auswahl durch die Zentrale haben wir bisher nicht erkennen können." Tatsächlich arbeiten ein Drittel der befragten Großunternehmen ohne spezifische Auswahlmethode. Dies liegt häufig auch daran, dass nur wenig geeignete Kandidaten zur Verfügung stehen, die bereit sind, mit Frau und schulpflichtigen Kindern für mehrere Jahre das heimische Umfeld zu verlassen.

"Das größte Hindernis ist meist die Familie. Es reicht nicht aus, dass der Mitarbeiter motiviert ist und sich gut in das Unternehmen vor Ort integriert," betont die Personalleiterin eines führenden Software-Unternehmens. "Denn wenn er abends nach Hause kommt und das lange Gesicht seiner Partnerin sieht, die sich darüber ärgert, dass sie beruflich und privat in Frankreich keinen Anschluss findet, dann ist die Entsendung schnell zum Scheitern verurteilt."

Wichtig ist es daher, nicht nur die Fähigkeiten und Aufgeschlossenheit des Kandidaten zu bewerten, sondern auch die interkulturelle Anpassungsfähigkeit und Motivation der Familie in der Auswahl zu berücksichtigen. Einige Firmen führen hierzu internationale Assessment Center durch oder setzen spezifische interkulturelle Eignungsverfahren ein. Zu den wichtigen Auswahlkriterien gehören hierbei Aspekte wie z.B. interkulturelle Aufgeschlossenheit, Geduld, Flexibilität, Toleranz und der Umgang mit unerwarteten Situationen.

Sobald die Auswahl feststeht, werden in den Unternehmen umfangreiche Maßnahmenpakete angestoßen, um dem zukünftigen Expatriate den Weg ins Ausland zu ebnen: Dazu gehören in ca. 80% der befragten Unternehmen Sprachkurse für den Mitarbeiter und die Familie, Look & See-Trips zum Kennenlernen des neuen Umfeldes und umfassende Unterstützung bei Wohnungssuche und administrativen Formalitäten vor Ort.

Für die deutschen Expats muss im Vorfeld alles klar geregelt und organisiert sein - Darstellung der zur Entsendung durch Unternehmen nötigen Maßnahmen

"Frankreich ist hierbei noch eines der weniger problematischen Länder," wird aus der deutschen Zentrale eines Geldinstitutes angeführt. "Gern erinnert man sich an den Eiffelturm und den Bummel über die Champs-Elysées während des letzten Kurzurlaubs. Doch die Realität nach den ersten Wochen vor Ort sieht dann häufig anders aus. Die Mitarbeiter stoßen sich an den Hierarchieunterschieden im Unternehmen, und um die Familie kümmert sich niemand. Trotz der geographischen Nähe zu Deutschland bestehen weiterhin erhebliche interkulturelle Differenzen, die erst spät oder gar nicht richtig erkannt werden."

Daher verwundert es nicht, dass interkulturelle Aspekte, Integrationsschwierigkeiten und Management-Unterschiede die Spitzenposition auf der Liste der Problembereiche einnehmen. Als weitere häufig genannte Hindernisse, vor allem in der Anfangsphase, werden sprachliche Unterschiede, administrative Formalitäten und die Suche nach einer geeigneten Unterkunft und Schule genannt. Wenn diese Punkte nicht durch individuell zugeschnittene Maßnahmenpakete gelöst werden, reist die Familie häufig gar nicht erst ins Ausland mit.

Die horrenden monatlichen Mieten, die in den Personalabteilungen in Deutschland häufig auf Unverständnis stoßen, gehören meist zu den größten Kostenblöcken der Entsendung, die die Firmen im Durchschnitt das 1,5fache - bis 3fache Inlandsbasisgehalt des Mitarbeiters kostet. Zu den weiteren Kosten, die zusätzlich zur Miete von vielen Firmen getragen werden, um die Mobilitätsbereitschaft der High Potentials zu honorieren, gehören Lebenshaltungskostenausgleich, Entsendungsprämien, Schulgeld, private Zusatzversicherungen und alljährlich ein bis vier Heimflüge für die gesamte Familie.

Auffällig ist allerdings, dass trotz aller Widerstände und Anpassungsschwierigkeiten in der Anfangszeit nach Ablauf der Entsendung, die meist auf einen Zeitraum von 3-5 Jahren befristet ist, nicht selten seitens des Mitarbeiters um eine Verlängerung gebeten wird.

Eine französische Vertreterin aus der Pharma-Industrie fasst die Problematik treffend zusammen: "Die größten Probleme mit den deutschen Mitarbeitern bestehen bei der Ankunft und bei der Rückkehr. Erst möchte niemand kommen, solange nicht alles klar definiert und organisiert ist, und am Ende wollen viele nicht mehr weg. Dann sind die Deutschen hier Meister im Anpassen."

Martina Meinhold, Management Mobility Consulting

Die Autorin ist Geschäftsführerin des Relocation-Unternehmens Management Mobility Consulting mit Sitz in Senlis nördlich von Paris, das Firmen in allen Phasen der Entsendung von Mitarbeitern und ihrer Familien nach Frankreich betreut. Die Ergebnisse der Untersuchung können bei der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer bestellt werden.

Artikel veröffentlicht von der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer, Paris in der Zeitschrift "Contact", Februar 2002

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